Die Scherben waren nicht das Problem

Anfang Juli habe ich meine Ausbildung zum NLP Master Practitioner abgeschlossen.

Neun intensive Tage voller neuer Impulse, praktischer Übungen und spannender Gespräche lagen hinter mir.
Am letzten Tag standen zunächst die theoretische und praktische Abschlussprüfung an. Danach blieb noch etwas Zeit, bevor wir uns am Nachmittag zur letzten gemeinsamen Einheit wieder im Seminarraum trafen.

Ich war mir ziemlich sicher, dass jetzt noch eine letzte Methode oder ein weiteres Modell auf uns wartete.

Doch als sich die Tür öffnete, blieb ich erst einmal kurz stehen.

Der Raum sah völlig anders aus.

In der Mitte war ein Bereich abgesperrt. Rotes Licht.
Die Stühle standen rechts und links.

Keine neue Theorie. Kein weiteres Skript.

Statt einer weiteren Lektion wartete eine besondere Herausforderung auf uns.

Ein Scherbenlauf.

Als ich später erzählte und gefragt wurde, ob ich vorher Angst hatte, musste ich selbst schmunzeln.

Denn ehrlich gesagt:

Vor den Scherben selbst hatte ich erstaunlich wenig Respekt.

Ich war mir so sicher, dass da nichts passiert. Ein Teil von mir dachte sogar: "Vielleicht sind die Scherben gar nicht richtig scharf."

Spätestens als ich anschließend meine Hose gesehen habe, wusste ich, dass diese Theorie wohl eher nicht stimmte.



Was mich aber wirklich beschäftigt hat, waren gar nicht die Scherben.

Während die ersten Teilnehmer losliefen, beobachtete ich alles ganz genau.
Ich machte Fotos und kleine Videos anderer Teilnehmer. Feuerte die anderen an…

Und trotzdem kreisten meine Gedanken die ganze Zeit um etwas völlig anderes:

Kieselsteine.

Das klingt im ersten Moment ziemlich verrückt.
Ich stellte mir nämlich vor, dass die Scherben genauso anfühlen würden wie Kieselsteine.

Ich bin nämlich kein Barfußläufer. Wirklich überhaupt nicht.


Ich mag das Gefühl von kleinen Steinen unter den Füßen so gar nicht. Auf Schotterwegen oder Kies ohne Schuhe zu laufen ist für mich schrecklich.

Und genau DAS bereitete mir in dem Moment Sorgen.



Nicht die scharfen Scherben. Verletzungen.

Nein. Die Vorstellung, dass sich die Scherben wie Kieselsteine anfühlen könnten!



Im Nachhinein finde ich genau das spannend.

Wie oft passiert uns das eigentlich auch im Unternehmensalltag?


Wir beschäftigen uns mit einem Risiko. Mit einer Sorge. Mit einem "Was wäre, wenn …"

Mit einem Gedanken, der uns schon Tage vorher begleitet. Und vielleicht uns dann auch noch blockiert - erst in Gedanken und dann auch im Tun.

Und irgendwann merken wir: Die eigentliche Herausforderung war eine ganz andere.

Oder unsere Sorge ist mal wieder überhaupt nicht eingetreten.



Ich glaube, unser Kopf ist unglaublich gut darin, uns beschützen zu wollen. Was ja grundsätzlich auch gut so ist.
Wir beschäftigen uns mit Problemen, die vielleicht nie eintreten.



Die spannende Frage ist nur:

Schützt er uns gerade wirklich?
Oder hält er uns jetzt nicht genau von den Dingen ab, die wir eigentlich längst angehen könnten?



Für mich war diese Erfahrung deshalb viel mehr als eine ungewöhnliche Übung. Sie hat mir erneut gezeigt, wie unterschiedlich Realität und Kopfkino manchmal sein können.

Daher stelle ich mir jetzt ganz bewusst bei manchen Entscheidungen die Frage:

Beschäftige ich mich gerade mit dem tatsächlichen Risiko – oder nur mit dem, was mein Kopf daraus gemacht hat?

Ich bin gespannt, wie du das siehst. Schreib mir gerne deine Gedanken dazu.



Falls Du neugierig bist...

Hier siehst du den Scherbenlauf in 37 Sekunden.

Walking on Broken Glass...

Ja, ich hatte sofort einen Ohrwurm aus den 80ern im Kopf. 🎤😅

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